Thomas Hofmann Online

Krk, ein Reisebericht, Teil 3

13.07.2002 11:00

Es war anstrengend. Sehr anstrengend! Mein Weg mit dem ausgeliehenen Paddelboot hatte mich doch tatsächlich bis zur Spitze der Halbinsel Prniba geführt, an deren gegenüberliegenden Ufer Punat liegt. Die grüne Marke der Hafeneinfahrt hatte ich schon passiert. Das war nach 70 Minuten. Ich drehte um und hatte nun wenigstens den Wind im Rücken. Dadurch fehlte aber auch jeglicher Luftzug, fast. Allerdings war es gegen den Wind zwar luftiger aber auch anstrengender gewesen. Irgendwie hatte ich den Bogen doch noch nicht ganz heraus, das "Kanu" zog ständig nach rechts. Ätzend! Ich war am Ende auf dem Rückweg weiter aufs Meer hinaus gekommen, als ich dachte. So kam zur Strecke des Rückwegs auch noch die Strecke zurück zum Land. So richtig seetauglich war das Kanu wohl nicht. Trotzdem war es total aufregend, wenn einmal ein paar höhere Wellen kamen. Das war noch Abenteuer! Ich meine, ich war allein. Und ehrlich, wer hätte mich vermißt? Der Wind trieb einen zumindest, wenn man aufhörte zu paddeln, immer weiter aufs Meer hinaus. Okay, manche mögen jetzt sagen: "Lächerlich!" Aber trotzdem! Stellt es euch mal vor! Ich holte am Ande die 10 Minuten über die eine Stunde auf dem Rückweg wieder heraus und war zum Ablauf der zweiten Stunde zurück am Ausgangspunkt.

Da war ich dann auch fertig. Die Hände schmerzten. Inzwischen habe ich Blasen, als hätte ich den ersten Tag "auf dem Bau" gearbeitet und den ganzen Tag schaufeln müssen. Probiert euch mal testhalber eine Woche lang als Handlanger auf dem Bau. Oder beim Gerüstbau. Sehr lehrreich. Was ich noch falsch gemacht hatte bei dieser Tour, spürte ich erst abends. Mal abgesehen davon, daß ich einen nassen Hintern hatte. Ich war zumindest so weitsichtig gewesen, mit knielanger Hose, T-Shirt und Mütze loszufahren. Aber: Die Beine! Ab dem Knie abwärts ein einziges rotes brennendes Feld. Jaja, die Sonnencreme! Mitnehmen ist hier leider nur die halbe Miete, eincremen sollte man auch. Gleich wie, man erträgt es, so gut es eben geht.

Der Rest des Tages ließ sich vertreiben in gemächlichen Belanglosigkeiten wie Schlendern durch die Stadt, Eis essen, den Passanten zuschauen usw. Am Abend, aber erst ziemlich spät, meldete sich mein Magen dann doch zu Wort, nachdem ich mich zuletzt schon gefragt hatte, ob das noch normal sei. Fast nichts essen den ganzen Tag und trotzdem keinen Hunger. Ich platzierte mich im Zentrum gleich am westlichen Tor vor einem Restaurant "Konoba". Es gibt davon mehrere in Krk. Peter meint, sie gehören alle zusammen. (In Wirklichkeit heißt Konoba weiter nichts als Weinkeller.) Ich hatte mein Bier (Karlovacka, kann man nur empfehlen, obwohl ich kein Bierkenner bin) und rätselte schon Ewigkeiten, was ich denn nun essen sollte. Ich wollte was mit Fisch, das war ja schon mal eine grobe Richtung. "Unterm Suchen" - wie der Bayer sagen würde - achtete ich ab und zu auf die Leute ringsherum. Schon an zwei Nachbartischen hatte ich deutsche Laute vernommen. Auch am dritten Tisch mit zwei älteren Damen und einer jungen Frau vernahm ich schließlich die deutsche Sprache. Ich mußte unwillkürlich schmunzeln und lächelte hinüber, was ebenso freundlich beantwortet wurde. Ich teilte kurzentschlossen den Grund meiner Heiterkeit mit und fragte schließlich, ob ich mich nicht zu ihnen geselen dürfe, um bei weiterer Konversation nicht so laut schreien zu müssen. Mein Ansinnen wurde freundlich befürwortet, und so verbrachten wir das Essen recht angenehm gemeinsam. Wie sich herausstellte waren es zwei Schwestern aus Wien nebst Tochter . Sie erzählten mir, sie machten einen kurzen Spaßurlaub mit Camping in Baska, welches ganz an der südlichen Spitze der Insel Krk zu finden ist. Auch im Weiteren entspann sich eine sehr angenehme Unterhaltung, ohne die es sicher recht langweilig gewesen wäre. Zum Abschluß trennten wir uns mit guten Wünschen und meiner Bitte, ob sie mir nicht per SMS oder Mail ihre gute Heimreise bestätigen könnten. Den tagesabschließenden Besuch in der Diskothek Jungle häte ich mir auch sparen können. Fast nur Kinder und bis 24:00 Uhr auch zu wenig Leute und de facto nix los auf der Tanzfläche. Peter sagt, es gibt eine große Disko direkt an der Hauptstraße Richtung Rijeka im Ort Malenovice o.ä. -12:00-

17:00

Was für ein Zufall hat mich hierher getragen? Ich liege in Stara Baska am Strand neben den beiden Schwestern und der jungen Dame . Aber "zwei" Schwestern stimmt eigentlich nicht. Eine ist ein Stückchen weiter gezogen, da ist wohl ein FKK. Ich kann es verstehen, es ist einfach ein anderes Gefühl. Wie bin ich hierher gekommen? Nachdem ich das vergessene Zähneputzen und Rasieren nachgeholt hatte, wollte ich mich endlichauf die Socken machen. In der Stadt hatte ich noch Geld getauscht. Sie gaben zu einem Kurs von 7,22. In der Agentur hatten sie einen Kurs von 7,24 und gegeben. Aber meinte, die nehmen Prozente, um genau zu sein ein Prozent. Ob mir das nicht aufgefallen wäre. Nein, war es nicht. Und was wäre dann eigentlich der Unterschied? Ganze 0,02 Kuna. Also bei 100 Euro 2 Kuna. Das wären dann also 26 Cent oder rund 50 Pfennige. Lächerlich! Dagegen ein Prozent? Naja. Das wären ja auch gerade 1 Euro, also rund 2 D-Mark. Aber egal! Ich dampfte noch runter in die Stadt zum Einkaufszentrum am Kreisel.

17:30

Ich hatte bei allem doch etwas vergessen. Einiges sogar. Aber es war etwas Wichtiges. Bis jetzt hatte ich meine Mahlzeiten immer auf dem Heft als Unterlage abgehalten. Was mir fehlte war ein Brett. Ein Teller wäre womöglich beim Transport kaputt gegangen. Man soll es nicht glauben, einen Teller hätte ich bekommen können, aber kein normales Holzbrett. Gleichgültig, dann eben nicht.

Ich düste also los nach Baska. Da, sagten die drei Damen, wären sie am Strand. Wären sie. Die Straße war interessant. Bergig. Felsig. Serpentinig, teilweise. Der Ort war ne pure Katastrophe. Autos über Autos. Ich stellte mich einfach irgendwo an den Rand und ging zu Fuß. Nachdem ich zweimal in Büros gestanden und abgesehen hatte, daß es aufgrund der Anzahl der Leute und der Langwierigkeit der Bedienung länger dauern würde, landete ich in einer Agentur direkt im Zentrum an der ersten für Verkehr gesperrten Straße, in der ich sehr schnell dran kam und überaus freundlich Auskunft bekam. Ich erhielt auch Prospekte und einen Plan von Baska, worauf sie mir ob meiner speziellen Wünsche eine Konkurenzagentur aufzeigte, die für mich eher etwas habe. Die zwei Schwestern hatten gesagt, sie sind an einem Strand mit Küste (also Meer) im Westen. Gerade die eine hatte geäußert, sie hasse es, wenn die Sonne um 4 Uhr untergeht und sie weiß genau, eigentlich geht sie erst 8 Uhr unter. Soetwas suchte ich. Ich unternahm erst eine Besichtigung zu Fuß immer am Strand entlang. Es war kein Ende abzusehen, als ich nach der Tauchschule um die nächste Ecke kam und so drehte ich um. Ich mühte mich dann per Auto durch einen Verkehr, der dicker und zäher zu sein schien als in München zur Rush Hour. Und Menschen über Menschen, auch als Fußgänger. Ich verstand auf einmal nicht mehr, warum die Menschen alle hierher kamen. Wollten sie sich nicht erholen? War das hier möglich? Unmöglich! Wer sich erholen will, dem kann man nur raten, Baska zu meiden. In der anderen Agentur für Camping am westlichen Ufer der Bucht von Baska hatte eine Dame eine seltsame Auffassung von Kundenfreundlichkeit.

http://www.hotelibaska.hr/de_camp_zablace.html

Ich wollte wie schon vormals mein Anliegen vorbringen, nachdem sie eine englische Kommunikation bestätigt hatten. Die Angestellte schnitt mir, noch bevor ich zu Ende gesprochen hatte das Wort ab mit: "We have nothing special." Sie bediente sich dazu einer ebensosäuerlichen Mine wie Tonlage. Es war eine kleine junge Frau mit Lippenstift in Pink und glatt nach hinten zum Pferdeschwanz gestrichenen Haaren. Zu meinem Glück kamen andere Angestellte, die mein Anliegen wohl verstanden hatten, zu Hilfe und verwiesen mich auf Stara Baska. Da hätte ich in Punat(?) schon einen anderen Weg nehmen müssen. Also floh ich diesen Ort der Ungastlichkeit und fuhr über Punat zurück und nach Stara Baska.

Schon den Weg fand ich schöner. Das mag aber subjektiv sein. Auf einmal reihte sich auf der am Felshang talwärts führenden Straße Auto an Auto am Rand. Da war auch eine Schranke an einer Einfahrt. Ich vernahm mit Freude den dahinter befindlichen Strand und störte mich auch nicht an den 20 Kuna Parkgebühr. Es war inzwischen 4 Uhr und mein Magen meldete sich zu Wort. Also beschloß ich diesen und den inzwischen groß gewordenen Durst zu stillen und fand gleich den Weg zum am Eingang gelegenen Restaurant. Ich gehe an der Terasse vorbei und wer sitzt da? Genau! Welch ein Zufall! Ich werde eingeladen, mich dazu zu gesellen. Die Atmosphäre hier! Kein Vergleich! Alle Leute sind freundlich, bei der Bedienung kommt mir das schon fast unheimlich vor. Man sitzt im Schatten und doch luftig, da das Dach nur locker mit Schilf belegt ist, so kühlt nebenbei noch ein angenehmer Luftzug, der sanft über die Terasse streicht. Die ganze Zeit ertönt nicht zu laut beruhigende Musik zwischen Klassik und Pop aus den Lautsprechern. Alle scheinen ganz entspannt, ausgeglichen und locker. Es ist seltsam, aber so schnell kann man in eine so angenehme Stimmung umschwingen. Hier könnte man ewig einfach nur sitzen. Blick aufs Meer, Herz was willst du mehr? Wir essen gemeinsam und gehen anschließend baden, wobei bei letzterem die Stimmung eher gedrückt und die Gespräche spärlich sind. Jetzt ist es mir warm und ich gehe ins Wasser.

18:30

150 Meter weiter ist FKK, für 0 Kuna.


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