Das Tagebuch des Tom Assmann (Auszug, Teil II)

Falko ist tot


08.02.1998 11:20:30

Nun ist eine Woche rum, seit ich bei Vati in Hainichen war, und ich hab immer nocht nicht niedergeschrieben, was mich bewegte. Aber erst mal was anderes. Falko ist tot. Die Meldung kam gestern im Radio. An was dachte ich da zuerst? Klar, an Jeanie. (Schreibt man das so?) Zu dem Lied hab ich damals im Studentenclub mit Elvira Scheitel getanzt. Ich mußte gleich wieder an sie denken. Es war so eine gemeinsame Wellenlänge zwischen uns. Es hat mich damals ziemlich angemacht. Wir haben uns fast hundertprozentig verstanden. Ich hab doch mal anhand ihrer damaligen Adresse, die ich von ihr beim letzten Seminargruppentreffen erfragt hatte, von der Auskunft ihre Nummer erfragt. Sie wohnen sogar noch dort. Erstmal meldete ich mich mit: "Hallo Elvira." Ich mußte ihr sogar noch Tips mit "na Tom - Tom Assmann - damals Studium" geben. Inzwischen waren zwei Minuten mindestens vergangen, bis sie gecheckt hatte, wer ich war. Schockierend! Etwas größer - bei aller Bescheidenheit - hatte ich mir meinen Eindruck auf sie damals doch vorgestellt. Wenn es schon so schlimm ist, kann man sich ja wirklich bald nur noch den Strick nehmen und erschießen. Sie hat nicht mal dann den Tod bzw. Falko selbst ins Gespräch gebracht. Was soll man da noch sagen? Ich habs dann auch nicht getan. Wir haben so bißchen erzählt. Gequatscht eben über vergangene Zeiten. Sie haben beide Arbeit. Sie ist selbständig. Sie scheint zufrieden zu sein. Ihr neuer Mann kochte gerade Gans. So einen Mann muß man haben! Wahrscheinlich bin ich gegen so einen Übermenschen wirklich nur ein kleines Arschloch. Selbsterkenntnis ist ja bekanntlich der erste Weg zur Besserung. Oder ich hänge mich wiklich - im Gegensatz zu anderen - immer viel zu sehr an Beziehungskisten. Ist unsere Welt wirklich sooo kalt? Wie hab ich schon mal so treffend festgestellt? Hänge nie dein Herz an einen Menschen, du wirst es bitter bereuhen ... . Aber was soll das Ganze? The Show must go on! Sie erzählte, sie habe schon drei Bekannte aus alten Zeiten wiedergefunden. Darunter auch Storch. Sie hat mir mal von einem fast verunglückten Seminatrgruppentreffen erzählt. Da waren sie am Ende nur zu dritt. Eine ihrer besten Freundinnen, Storch und sie. Das war in Berlin oder Magdeburg, glaub ich. Am Ende haben sie sich gar kein Hotel erst genommen. Die zwei Frauen haben gleich bei ihm geschlafen, er wohnte da. Es sei ein wunderbarer Abend bei Kerzenschein und Wein zu dritt gewesen. Sollte man das nun glauben? Wie gesagt, denen man ...

Da bricht es ab. Wie bitte? Ob das wahr ist? Was die drei sagen, wenn sie diese Seite lesen? Das kann mir eigentlich wurscht sein, da ich sie nicht kenne. Schon die Prinzen haben gesungen: "Das ist alles nur geklaut, das ist alles gar nicht meine .." Okay, es ist nicht die feine englische Art, die mitternächtlichen Geständnisse eines Betrunkenen an der Bar ins Web zu stellen. Aber ich fand es echt interessant. Außerdem:
 
Auf Deinen Heiligenschein
fall ich auch nicht mehr rein,
denn auch Du hast gottseidank
garantiert noch was im Schrank ..

<< Teil III - 23.02.1999 -- >> Teil I - 4.3.1995 -- Homepage


17. feb 99 / Bestandteil von Thomas Hofmann Online / th-o.de / eMail: Thomas@th-o.de